25.08.11

A-Hoernchen und B-Hoernchen koennen offiziell seit gestern krabbeln. Es sieht zwar noch recht stacksig aus, aber sie kommen nun definitiv vorwaerts. Konsequenter Weise fand ich dann B-Hoernchen heute morgen nach 5 unbeaufsichtigten Minuten schreiend am Boden liegen mit kleinen Kratzern auf der Stirn und seiner Hand voll schwarzer Katzenhaare. Man mag sich denken, was geschah, und ich meine, dass unsere beiden Katzen derzeit eine eher stressvolle Periode ihres Lebens vor sich haben. Gegen die beiden Hoernchen sind die Wachbaeren gar nix. Der gesunde Hunger der beiden Quietscher lastet wie ein Sack Zement auf Papas Brieftasche, aber was tut man nicht alles fuer den Nachwuchs. 6 - 7 volle Nuckelflaschen pro Tag pro Nase werden verbraten, gefolgt von min. einer neuen Windel, wobei sich da inzwischen der Trend herausgebildet hat zu warten, bis die neuen Windel an ist, und dann da rein zu hueppeln.
die Arbeit
Am Wochenende war Michi freiwilliger Helfer bei "Cops for Cancer" http://www.cancer.ca/British%20Columbia-Yukon/How%20you%20can%20help/BC-Fundraising%20events/BC-Cops%20for%20Cancer.aspx und hat zusammen mit anderen Correctional Officers, Sheriffs und Polizisten Spenden eingesammelt. Es war interessant zu beobachten, wie gebefreudig die Menschen sind, wenn man Uniform an hat
. Michi hat 1500,- CAD eingesammelt.Psychologisch gesehen findet derzeit eine langwierige Transformation statt. Es waere gelogen zu sagen, dass einen die Arbeit seelisch unbelastet laesst. Die staendige Bedrohung und das permanente fertig sein fuer einen Kampf laesst mit der Zeit ein unfreiwilliges Kopfkino entstehen, in dem ich Nacht fuer Nacht von allen moeglichen Haeftlingen angegriffen werde und mich mehr oder weniger gut zu Wehr setze. Die Realitaet sieht hingegen so wild ja gar nicht aus. Mit vielen der Knallkoeppe dort verstehe ich mich recht gut und die Arbeit ist den Umstaenden entsprechend entspannend, denn min.80% der Haeftlinge wollen nur ihre Strafe absitzen und keinerlei Aerger haben, aber auf der anderen Seite sind gewalttaetige Auseinandersetzungen von Haeftling zu Haeftling oder aber Haeftling zu Correctional Officer durchaus zwei-Tages-Rhythmus. Das gilt vor allem im Moment, da vor einer Woche ein Gang-Boss erschossen wurde. Evtl erinnert ihr euch noch daran, dass ich mal davon schrieb, in meiner Taetigkeit als Security-Officer an der SFU Jonathan Bacon, einem der Bacon-Brothers, begegnet zu sein, der dort auf seine Freundin wartet? Den haben sie letzte Woche zersiebt. Und darum geht es derzeit in den Gefaengnissen etwas mehr umher als normal, weil nun Rache veruebt wird an Mitgliedern der Gang, die fuer den Tod verantwortlich gemacht werden. Dann folgt die Rache fuer die Rache...........usw.
Ansonsten verbringe ich derzeit viele Nachtschichten (in denen ist es besonders ruhig) damit, zusaetzliche Kurse abzulegen, die mich naeher an meine naechste Befoerderung bringen. Kurzfristig hilft das nicht so viel, da die Befoerderungszeiten genau festgelegt sind, langfristig aber wird die Anzahl der von mir belegten Kurse den notwendigen Unterschied machen in Richtung Supervisor.....ein von mir benanntes Ziel, dass in fuenf Jahren erreicht sein soll........und das ist nach Auskunft meines Mentors auch realistisch.
der Sport
Ich halte mich nach wie vor Fit und habe im Moment etwas mehr Gewicht auf meine Kondition gelegt......folglich jogge ich derzeit etwas mehr und bezahle es durch weniger Muskeltraining. Das haengt damit zusammen, dass die Aufnahmepruefung fuer die Spezialeinheit des Gefaengnisses ebenfalls zu min. 50% auf Kondition abzielt. Leider laesst sich noch nicht absehen, wann ich dort getestet werden kann, da derzeit keine freien Stellen verfuegbar sind. Das Team ist derzeit komplett. Ich habe es allerdings fertig gebracht, den Commander des Teams zu meinem persoenlichen Mentor zu machen.
11.08.11
Um die Tuere des Haupteinganges zu oeffnen wird ein spezieller "Fob" benoetigt, ein quadratisches kleines schwarzes flaches Plastikteil am Schluesselbund, dass uns bei der Vereidigung ausgehaendigt wurde und mit dessen Hilfe wir nun Zugang zu einigen Bereichen des Pretrial Centers haben. Ich gehe die Treppen hinauf zum Personaleingang, der wiederum mit dem Fob geoefnet wird. An meinem Guertel trage ich Handschellen, Pfefferspray, einen Baton-Schlagstock, ein Funkgeraet, schnittfeste Handschuhe und einen Schluesselhalter. Ich stehe vor der ersten Tuer die hinunter fuehrt zu den sog. Pods, den Bereichen, wo die Haeftlinge "gelagert" werden. Hier hilft der Fob nicht weiter. Ich warte, bis mich "Central Control" in der Kamera sieht, dann wird mir durch einen Ton signalisiert, dass die Tuer nun offen ist und ich eintreten kann.
Ich gehe die Treppen hinunter und stehe vor einer weiteren Tuer, die wiederum von Central Control geoeffnet werden muss. Mein Weg fuehrt mich heute zur "Intake-Station". Alle Neuankoemmlinge im Gefaengnis durchlaufen dort verschiedene Stadionen bevor sie zu den Pods gefuehrt werden. Es erfolgt ein psychologisches und medizinisches Gutachten, sie werden aus- und eingekleidet, es werden Fotos gemacht und Akten angefertigt, und letztlich erfolgt noch eine Klassifikation um einzuordnen, mit wem man es zu tun hat und wie gefaehrlich der Haeftling ist bzw wie gefaehrlich der Gefaengnisaufenthlat fuer den Haeftling wird (Gang-Rivalitaeten usw.)
Ich beginne meine Schicht. Zusammen mit zwei Kollegen organisieren wir den "Floor". Wir sind dafuer zustaendig, dass alle Neuankoemmlinge alle Stationen durchlaufen und dann zu den Pods gefuehrt werden. Vor dem Ankunftstor haelt ein Transporter der Sheriffs. Eine erste Fuhre Neuer wird mit Hand- und Fussfesseln hineingefuehrt. Die Sheriffs haben sie von verschiedenen Polizeistationen eingesammelt und zu uns gebracht. Bei uns werden diese nun festgehalten, bis ihnen der Prozess gemacht wurde. Bei kleinen Sachen kann das innerhalb von drei Tagen geschehen.......bei grossen Dinge kann sowas fuenf Jahre und laenger dauern. Dann werden die Haeftlinge je nach Richterspruch entweder freigelassen oder in andere Gefaengnisse transportiert.
Einige der Neuankoemmlinge kommen frisch von der Strasse und bringen jenen netten Geruch mit, der einem den Appetit vergehen laesst und somit ein Freund jeder ernsten Diaet sein sollte. Ein Sheriff beugt sich zu mir herueber und sagt mir das einer der Haeftlinge ein "PC" ist. Er deutet mit der Hand auf das Kerlchen. Ich nicke und fuehre jenen Haeftling vorerst in eine Einzelzelle, nachdem die Fesseln geloest wurden. "PC" bedeutet "protective custody". Es handelt sich um einen Kinderschaender. Diese Haeftlinge, zusammen mit Vergewaltigern, muessen vor anderen Haeftlingen beschuetzt werden, bzw getrennt gehalten, da es im Gefaengnis ein ungeschriebenes Gesetz unter Haeftlingen gibt, dass das sozialvertraegliche Fruehableben von Vergewaltigern und Kinderschaendern vorsieht.
Alle anderen Haeftlinge werden in einen "Grouptank" gefuehrt, eine groessere Sammelzelle. Von dort aus werden sie einzeln nach draussen gefuehrt und dann zu den jeweilgen Stationen. Aus Richtung der Pods werden nun ebenfalls Haeftlinge gefuehrt. Eben jene, die transferiert werden zu anderen Gefaengnissen, da ihr Schuldspruch bereits erfolgt ist. Meist sind die Haefltinge recht froh darueber, denn unser Center ist in British Columbia bekannt fuer einen "unangenehmen Aufenthalt" mit minimaler Toleranz. Diese Haefltinge werden in Transferzellen gefuehrt und spaeter von den Sheriffs abgeholt. Etwas spaeter am Tag werden zusaetzlich auch noch Haeftlinge ankommen, die im Gericht waren und nun zurueck in ihre Zellen muessen. Dann ist das Chaos perfekt.
An einigen Zelltueren knallt es. Haeftlinge treten oder schlagen dagegen, entweder weil sie Hunger haben, oder weil ihnen der Prozess zu lange dauert, oder weil sie ganz dringend noch etwas ganz wichtiges zu erledigen haben oder einfach weil sie mit der Gesamtsituation unzufrieden sind.
Ich sehe einen weiblichen Supervisor eine Einzelzelle betreten. Sie will den Haeftling herausholen um ihn zu Klassifizieren. Der Haeftling will nicht und ich hoere erstes Schreien und Fluchen. Ich laufe los in Richtung des Gebruelles. Ein weitere Supervisor erreicht die Zelle noch vor mir und versucht den Haeftling, der nun ernste Anstrengungen unternimmt, seinen Unmut physikalisch zu untermauern, an die Wand zu druecken. Ich renne in die Zelle und versuche, die linke Seite des Haeftlings zu fassen. Dieser dreht sich, und ich lande erst an der Wand, dann auf dem Bett. Im naechsten Moment liegen Haeftling und Supervisor am Boden. Ich erspaehe den linken Arm des Haeftlings, bekomme das Handgelenk zu fassen und drehe den Arm bis zum Anschlag auf den Ruecken.Zwei weitere Officer kommen in den Raum. Einer setzt sich auf den Popo, der andere auf die Beine. Der Supervisor kniet auf dem Kopf des Haeftlings. Handschellen werden angelegt. Innerhalb von Sekunden faellt mindestens zweihundert mal das kanadische Lieblingswort mit F. Der Haetling antwortet indessen auf alles nur noch mit "yes Sir" und "no Sir". Er wird abgefuehrt in Isolationshaft.
Ich bekomme von meinem Kollegen eine Liste mit den Namen der Neuankoemmlinge und den Stationen, zu denen diese gefuehrt werden sollen. Nun beginnt der Prozess gemaess Standard. Einige Maulen und werden zurecht geschrien, andere sind etwas desorientiert und brauchen eins zu eins Betreuung. So haben wir zum Beispiel einen Inder, der kein Englisch spricht, oder einen Chinesen, der Blind ist.
Nachdem die Neuankoemmlinge neu eingekleidet wurden, im netten "Haeftlingsrot", bekommen sie eine Plastikkiste mit Unterhosen, Struempfen, Badelatschen eine Plastik-Schuessel und Tasse, ein Microwellen-Essen und ihr Bettzeug. Dann rufe ich aus den jeweilgen Pods Eskorten ab, die dann die neuen Haeftlinge zu den Pods fuehren. Um ca 2000 Uhr sind die Sheriffs durch mit der letzten Fuhre. Wir haben ca 40 Neue, 25 wurden transferiert und der Durchgangsverkehr zum Gericht und zurueck lag bei ca 30. Ein eher durchschnittlicher Tag. Bis 2200 Uhr werden noch Datenbankeintraege gemacht, danach ist Schicht im Schacht. Am naechsten Morgen beginnt das Spielchen von Vorne.
27.07.11
Vor wenigen Tagen haben wir Monster einen Plantsch-Pool gekauft.....ihr wisst schon, damit er an sonnigen Tagen hinterm Haus mit den Maedels abhaengen kann, Apfel-O-Saft Cocktail schluerfen im kuehlenden Nass und so...aber die gleichen Kerlchen, die Nachts ueber mein Auto watschen mit ihren Schlammfuessen, vor allem, wenn es frisch gewaschen ist, und in regelmaessigen Abstaenden unsere Katzen verpruegeln, haben nun auch diesen Pool zu ihrem Spielplatz erklaert. Am hellichten Tag...und hamm den Pool natuerlich auch gleich kaputt gebissen........die hamm auch kein Respekt mehr.........




ein aktuelles Bild von mir .......... falls ihr euch fragen solltet, wie ich mit 39 Jahren aussehe 

ganz der Papa eben
08.07.11
In diesem Video kann man einen relativ kurzen Einsatz eines Emergency Response Teams des Correctional Service sehen. Ich freue mich, das Video mal wieder gefunden zu haben, gehoert es doch zu meinen Lieblingsfilmchen. Man koennte hier argumentieren, dass der "Kampf" nicht ganz fair gefuehrt wurde............aber das ist ja auch gar nicht gewollt. Die Situation muss moeglichst schnell mit moeglichst wenig Risiko unter Kontrolle gebracht werden.......und das wurde auch gemacht
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